Disability Pride in Bildern? Was KI (noch) nicht kann

Sichtbarkeit beginnt im Digitalen, oder?

Der Disability Pride Month steht für Vielfalt, Selbstbestimmung und Sichtbarkeit. Für Stolz auf eine Identität, die gesellschaftlich oft übersehen wird.

Und genau deshalb wollte ich zum diesjährigen Pride Month ausprobieren, wie sichtbar Disability Pride eigentlich in der Welt der künstlichen Intelligenz ist.
Ich habe mit ChatGPT und KI-generierten Bildern gearbeitet – in der Hoffnung auf starke, empowernde Visuals. Bilder, die Menschen mit Behinderung zeigen. Und Bilder, in denen die Disability Pride Flag erkennbar ist.

Was ich bekommen habe? Ein spannender, manchmal irritierender, aber auch sehr aufschlussreicher Querschnitt dessen, was KI kann – und (noch) nicht kann.

Der weiße Streifen auf der Disability Pride Flag steht für unsichtbare Behinderungen – eine Dimension, die oft übersehen wird. [KI-generiert]

Wie ich an das Thema herangegangen bin

Ich habe verschiedene Bildprompts getestet – von ganz allgemein bis sehr spezifisch.

Beispielsweise:
„Eine Gruppe von Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen, feiernd mit Disability Pride Flag.“ (Pride Flag wurde als Referenzbild hinzugefügt.)

Oder:
„Erstelle ein fotorealistisches Bild anhand der Informationen, die dir zum Disability Pride Month und der Disability Pride Flag vorliegen.“

Was gut war – und was nicht passte

Inhaltlich war ich auf viel gefasst – und wurde nicht überrascht, aber doch zum Nachdenken gebracht.

Ein Bild zeigte mir z.B. eine Person im Rollstuhl, aber mit einer LGBTQ-Pride-Flagge in der Hand.
Das war zwar nicht das, was ich abgefragt hatte, aber es hat mich trotzdem gefreut – weil gerade Menschen mit Behinderung innerhalb queerer Communitys oft übersehen werden.

Barrierefreiheit auf CSDs? Fehlanzeige.
Sichtbarkeit in queeren Kampagnen? Meist nicht mitgedacht.
Von daher war dieses Bild am Prompt vorbei – aber mitten ins Thema.

Eine Person of Color im Rollstuhl hält eine Regenbogen-Fahne in der Hand. Halb hinter der Flagge steht: Disability Pride Month.
Die Flagge war nicht gefragt – aber die Aussage ist trotzdem wichtig. Queer und disabled? Na klar! Und ja, das gehört mitgedacht. Auch beim nächsten CSD! [KI-generiert]

Die eigentliche Disability Pride Flag? Die wurde fast nie korrekt dargestellt.
Mal fehlte ein farbiger Streifen, mal war die Anordnung falsch, mal war es kaum als Flagge erkennbar.
Häufig wirkte es, als würde die Flagge „verschmelzen“ – etwa mit Kleidung oder dem Hintergrund. So, als wäre es ein Muster auf einem T-Shirt, aber nicht eindeutig zuzuordnen.
Ganz anders als bei der Regenbogenflagge, die die KI in der Regel problemlos abbilden kann.

Erst durch gezieltes Nachprompten und viel Feintuning kamen einige Darstellungen heraus, die der echten Flagge annähernd entsprachen – aber selten wirklich präzise waren.

Über Vielfalt und KI-Blickwinkel

Menschen mit Behinderung wurden in den Bildern dargestellt – das ja.
Rollstühle oder Prothesen waren präsent. Sichtbare Diversität (Hautfarbe, Gender) war okay, aber ausbaufähig.
Körperformen und Alter? Eher homogen.
Unsichtbare Behinderungen? Woran erkenne ich die, wenn sie nicht sichtbar sind…

Die KI greift auf Daten zurück, die ihr zur Verfügung stehen. Und diese Daten bilden (noch) keine wirklich vielfältige, inklusive Realität ab.

Was nicht (ausreichend) in der Datenbasis existiert, wird auch nicht (zufriedenstellend) generiert.

Was das mit Gesellschaft zu tun hat

In Deutschland leben rund 8 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung (Statista, 2023). Und doch ist ihre Sichtbarkeit – in Medien, in Kampagnen, auf Social Media – immer noch die Ausnahme, nicht die Regel.

Wenn eine frei zugängliche KI-gestützte Bildgenerierung so große Schwierigkeiten hat, eine Community korrekt darzustellen, zeigt das mehr als einen technischen Mangel. Es ist ein Spiegel gesellschaftlicher (Un-)Sichtbarkeit.

Was fehlt, sind nicht nur korrekt platzierte Farben auf einer Flagge.
Was fehlt, ist Repräsentanz. Ein digitales und kulturelles Mitdenken von Behinderung – jenseits von Stereotypen oder Token-Bildern.

Und jetzt?

Ich werde weiter mit ChatGPT (und vielleicht auch anderen KI-Bildtools) experimentieren – nicht, weil ich sie perfekt finde, sondern weil sie offenlegen, was fehlt.

Wenn schon Algorithmen lernen, was wir ihnen zeigen, dann lasst uns ihnen auch mehr zeigen: Mehr Stolz. Mehr Vielfalt. Mehr Realität.


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