Inklusion mit LEGO Wheelchair: Ein Kinderspiel!?

Foto: LEGO Wheelchair-Figur auf Kopfsteinpflaster
Copyright: LEGO Wheelchair, Seeba-Gomille

Wir brauchen mehr Vielfalt im Kinderzimmer! Denn Kinder prägt all das, was sie umgibt. Spielzeug, das die menschliche Vielfalt darstellt, ist daher wichtig. Wichtig, um die Kinder schon jetzt an die vielen Möglichkeiten im späteren Leben heranzuführen. Wichtig, um ihr Verständnis dafür zu schärfen, dass jeder Mensch unterschiedlich ist, aber trotzdem dazu gehört. Ein Berliner Art Director möchte nun seinen Beitrag dazu leisten und wendet sich mit seinem Projekt an einen großen Spielzeughersteller.

Wer das Sozialhelden-Projekt Wheelmap kennt, hat sicher auch schon mal die kleine Legofigur im Rollstuhl gesehen: #WheelyOnTour. Damit fing es sozusagen an. Aber Wheely machte anfangs nur optisch etwas her und war nicht funktionstüchtig. Und da Matthias Seeba-Gomille ein „freundschafliches Bekanntenverhältnis“ zu den Sozialhelden Andi und Raúl pflegt, dachter er sich, es muss etwas passieren:

„So kam ich auf die Idee, Wheely noch etwas zu optimieren, so dass er wirklich nur aus Original-Legoteilen besteht und auch fahrtauglich ist. Mein beruflich bedingter Ehrgeiz und mein KnowHow aus Werbersicht, machen es mir da sehr leicht, auch kleinen Projekten eine scheinbare Größe zu geben, die wiederum dafür sorgt, dass viele Menschen angesprochen werden und sich beteiligen.“

Matthias Seeba-Gomille

Und genau darum geht es auch bei seinem Projekt LEGO Wheelchair: Unter dem Motto “Gemeinsam Inklusion zum Kinderspiel machen!” beziehungsweise “Let’s make inclusion a child’s play!” versucht er nun auf der LEGO-Crowdsourcing-Plattform LEGOIdeas innerhalb von einem Jahr 10.000 Unterstützer für seine Projektidee zu gewinnen. Klappt das, so wird sich der Konzern genauer mit der Idee befassen und gegebenenfalls wird der LEGO Rollstuhl dann sogar produziert und verkauft.

Foto: Weibliche LEGO Wheelchair-Fiur und eine LEGO-Rampe
Viele Nutzer regten zusätzlich an, dass die Rollstuhlfigur Teil eines ganzen Sets werden solle. Hier gibt es für mehr Barrierefreiheit eine Rampe; Copyright: LEGO Wheelchair, Seeba-Gomille

Nach knapp zwei Wochen gibt es derzeit 657 Supporter auf der Plattform. Allein in den ersten 24 Stunden kamen über 200 Unterstützer zusammen. Wenn es so weiterginge, stünde dem nächsten Schritt, der Projektprüfung durch LEGO, nichts mehr im Weg. Um dem Projekt seine Stimme zu geben, muss sich der geneigte Leser einen LEGO-Account anlegen. Dies tut allerdings nicht weiter weh und geht recht flink.

Warum brauchen wir einen LEGO Rollstuhl?

Kinder erleben ihre (Um-)Welt in der Regel auf spielerische Weise. Im Spiel sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und alles ist möglich. Warum also sollte man da den aufgeschlossenen Kindern nicht auch direkt Spielzeug an die Hand geben, das Teile der Wirklichkeit abbildet?

Foto: LEGO Wheelchair-Figur wartet auf Straßenbahn
Mobil und mitten im Leben; Copyright: LEGO Wheelchair; Seeba-Gomille

Matthias Seeba-Gomille möchte selbst etwas zu einem Thema beitragen, „was so normal sein sollte – wie unterschiedliche Haarfarben. Ich bin der Überzeugung, dass unsere Gesellschaft mehr (Mit-)Menschlichkeit und weniger Statussymbole braucht. Sei es auf Armut, Ethnie oder körperliche/geistige Einschränkungen bezogen. Wenn der Mensch nur als Mensch gilt, wenn er den eigenen oder kulturellen Anforderungen/Normen gerecht wird, dann läuft etwas ziemlich verkehrt.“

Und Seeba-Gomille mag es überhaupt nicht untätig zu bleiben, wenn ihm Missstände bekannt sind. Er ist der Überzeuging, dass jeder, der es will, auch etwas tun kann – beinahe egal, worum es geht: „Stammtischschwätzer und neunmalkluge Besserwisser haben wir zu viele, es braucht mehr Menschen, die einfach mal machen anstatt nur zu quatschen.“ Dieses Motto lebt Seeba-Gomille, der seit 2011 übrigens auch die Kampagne „Pfand gehört daneben“ verantwortet und betreut.

Die Kommentare auf der Projektplattform bestätigen seinen Ansatz und dessen Notwendigkeit. Generell sei das Feedback zu 100 Prozent positiv ausgefallen.

Auf die Frage, ob er glaubt, dass seine Lego-Wheelchair-Figur gesellschaftlich etwas verändern könnte, antwortet Seeba-Gomille, dass er das nicht beurteilen mag. „Sie wäre aber ein Statement eines sehr großen Konzernes, der in fast allen Familien und Kinderzimmern vorhanden ist“, gibt er aber zu bedenken. „Und damit wäre Inklusion (was für ein fürchterliches Wort im Übrigen) schon mal da, wo sie unter Umständen in den kommenden Generationen fruchten und wachsen kann. Kinder könnten im Spiel und völlig ohne Angst oder Scham an das Thema herangeführt werden und dadurch, denke ich, eine offenere Haltung zum Anderssein entwickeln. Natürlich würde das bedingen, dass Eltern diese Figur auch kaufen müssten, oder LEGO integriert sie in bereits bestehende Sets – das wäre großartig.“

Foto: LEGO Wheelchair-Figur zusammen mit einer LEGO-Figur auf dem Fahrrad
Inklusion kann zum Kinderspiel werden; Copyright: LEGO Wheelchair, Seeba-Gomille

Doch Seeba-Gomille will sich auch nichts vormachen: „Es ist nur eine Legofigur, und ein Umdenken muss in den Köpfen stattfinden. Die Zielgruppe Kind erscheint mir hier schlicht auch am zielführendsten.“

Ich stimme ihm zu. Also lasst uns gemeinsam Inklusion zum Kinderspiel machen!

 

Hättest du dir als Kind solche LEGO-Figuren gewünscht? Würdest du sie für deine Kinder kaufen?


10 Gedanken zu “Inklusion mit LEGO Wheelchair: Ein Kinderspiel!?

  1. Wer/was ist behindert?
    Die Kinder sicher nicht.
    Christine z.B. auch nicht.
    AAAber:
    Wir alle andern sind behindert, weil wir manchen erkrankten Menschen nicht in die Augen gucken, sondern sie nur `anstarren´, weil sie im Rollstuhl sitzen, anders aussehen oder sich anders bewegen.
    Über sowas spricht man doch nicht und hält sich mit einem bemitleidenswerten Lächeln zurück.
    Und die Kinder? Sie sind interessiert, warum der/die anders aussehen und wollen wissen, was dahintersteckt. Aber sie werden hübsch beiseite gezogen….und werden nichts über die Krankheiten erfahren. Sie werden so, wie ihre Eltern es sehen und gucken auch lieber weg.
    Na ja, etwas lang mein Kommentar, aber ich erlebe das sehr häufig, wenn ich mit Rollstuhlfahrern rede.
    LG
    PJP

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    1. Das Umfeld prägt Kinder bestimmt schon sehr stark. Aber gerade Kinder haben einen wachen Verstand und sehen Dinge und eben auch Menschen eher so wie sie wirklich sind.
      Und um ihnen menschliche Vielfalt noch selbstverständlicher zu machen, ist Spielzeug, das diese abbildet, bestimmt nicht der falsche Weg!

      Inzwischen hat LEGO ja sogar tatsächlich einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht: https://mehrblickblog.wordpress.com/2016/01/31/mehr-vielfalt-im-kinderzimmer-mit-barbie-und-lego/

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  2. Hat dies auf Deine Christine! rebloggt und kommentierte:
    Hallo Ihr Lieben!

    Heute möchte ich Euch auf einen sehr tollen Beitrag von Nadine / NaLos_MehrBlick hinweisen.

    Umdenken muss in den Köpfen stattfinden.
    Kinder sind so unkompliziert und ehrlich im Umgang mit Behinderung / Inklusion….
    Also: Lasst uns gemeinsam Inklusion zum Kinderspiel machen!

    Deine Christine!

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  3. Großartige Idee. Teilweise gibt schon Vielfalt im Kinderzimmer. Dunkelhäutige Playmobil-Puppen z.b. habe ich gehabt oder meine Schwester habt mal irgendwo bei nen Bekannten Puppen mit Down-Syndrom gesehen und von Lego-Duplo gab es auch mal Figuren aus aller Welt, weiß aber nicht ob es die noch gibt. Aber leider nur teilweise.

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    1. Danke für deinen Kommentar, Nils.
      Ja, nachdem ich den Vorgängerbeitrag dieses Textes geschrieben hatte (hier verlinkt im ersten Absatz), hatte ich auch von den Puppen mit Trisomie 21 gelesen.
      Aber all das scheinen immer Sonderedititonen zu sein… Leider.

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  4. Ich habe mich über jede Figur gefreut – egal was!

    und ich würde das Set auch meinen Kindern kaufen – ich würde sogar HEUTE sets kaufen, damit meine Kinder ZUKÜNFTIG das Set kriegen können …

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  5. Natürlich hätten wir uns darüber gefreut. Auch wenn wir keine Rolli-Fahrer sind. Wirwaren immer happy, wenn wie eine dunkelhäutige Playmo/ Legofigur bekommen haben, oder eine Pilotin…..
    Her mit der Vielfalt im Kindezimmer- da fängt Lernen an und da findet identifikation statt!

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    1. Danke für dein Feedback! 🙂
      Mir geht es da ähnlich. Hoffen wir also, dass es künftig spielenden Kindern möglich ist, ein bisschen mehr Vielfalt zu erleben.
      Deinen letzten Satz untschreibe ich einfach mal genau so! 😀

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Und was ist dein (Mehr-)Blick zum Thema? Schreib es mir doch gerne in einem Kommentar! :-)

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