Mein Beitrag zu #1000Tode

Cover-1000TodeDer Tod ist kaum in Worte zu fassen? Ja. Und: Nein! Christiane Frohmann tritt dazu gerade den Beweis an – indem sie in einem eBook 1000 Texte zum Thema Tod vereinen will. Mit der vorliegenden Version 2/4 gibt es derzeit 246 Texte von ganz unterschiedlichen Menschen. Es gibt kurze Texte, es gibt lange Texte. Es gibt Texte voller Trauer und welche voller Hoffnung.

Und es gibt auch einen Text von mir, den du hier bereits lesen kannst.

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Dreißig Jahre lang lebte ich ohne ihn. Mehr oder weniger. Er erwischte zwar den Hamster der besten Freundin, entfernte (und nur namentlich bekannte) Verwandte oder Promis. Aber nie jemanden, der mir ernsthaft am Herzen lag.

Doch dann erwischte er mich direkt doppelt. Unerwartet. Atem raubend. Endgültig. Der Tag war viel zu schön. Ein Sommertag. Ich las Worte von T., die mich hellhörig werden ließen. Aber DAS hätte ich nie geahnt! Ich fragte nach. Er sprach von gebrochenem Herzen. Auf seine letzte Nachricht konnte ich nicht direkt antworten.

Vier Stunden später weinte S. am Telefon. Ich verstand es nicht. Wollte es nicht verstehen. Konnte es nicht verstehen. Doch ich musste es verstehen lernen. Versuche es immer noch. Auf der Trauerfeier sah ich nach zwei Jahren all die Menschen wieder, die ich auch auf der Hochzeit der beiden getroffen hatte. Nie sah ich S. so viel weinen wie an diesem Tag. Nie waren wir uns so nah wie in der Zeit danach.

Er fehlt. Ihr. Mir. Uns allen. Es ging weiter. Irgendwie. Doch er ging viel zu früh. Ohne ein Wort des Abschieds. Ohne eine Erklärung.

Wenige Tage nach besagtem Sommertag fand mein Opa seinen Frieden. Meine Oma verschwieg es mir bis zum Freitag. Ich hätte doch gerade erst genug zu verarbeiten, sagte sie am Telefon. In ihrer Trauer versuchte sie noch mich zu schonen.

Er schlief ganz friedlich ein. Zuhause. Meine Oma an seiner Seite. Langes Leiden ließ er hinter sich.

Er fehlt. Ihr. Mir. Uns allen. Doch es ging weiter. Irgendwie. Sein Leben hatte er gelebt.

T. nicht.

Ich nahm Abschied von beiden – auf T.s Trauerfeier und danach. Ganz still für mich. Am Strand. Menschenleer. Geerdet. Füße im Sand. Füße im Wasser. Blick auf das Meer. Blick auf den Horizont. Gedanken bei den beiden. Beide im Herzen.

Ich hatte viele schöne Jahre mit ihnen gelebt.

Aber: Dreißig Jahre lang lebte ich ohne ihn.


3 Gedanken zu “Mein Beitrag zu #1000Tode

Und was ist dein (Mehr-)Blick zum Thema? Schreib es mir doch gerne in einem Kommentar! :-)

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