Konsum 2.0: Tauschen, leihen und verschenken

Jeder ist sich selbst der Nächste – diesen Eindruck bekommt man heutzutage oft, wenn man sich in verschiedenen Alltagssituationen das Handeln seiner Mitmenschen anschaut. Ob beim Einsteigen in die Bahn oder beim Ansturm von Schnäppchenjägern – viele Menschen in unserer Gesellschaft scheinen, wenn es darum geht, Dinge zu besitzen, zu den „Meins, meins, meins“ schreienden Möwen aus „Findet Nemo“ zu mutieren.

Dabei kann teilen doch auch schöne Seiten haben, oder? Oft bekomme ich den Eindruck, dass es mit mir nur wenige gibt, die sich nicht möwenartig auf alles stürzen, was ihnen gehört – nicht bereit zu teilen.

Bücher für alle

Foto: TelefonzelleUmso mehr hat es mich verwundert als ich vor einiger Zeit mitten in Bonn auf eine typisch britische rote Telefonzelle stieß. Doch das lag nicht unbedingt an der Telefonzelle selbst, sondern viel mehr an ihrem Inhalt. Denn in ihr befanden sich Bücher, viele Bücher. Und ein Schild verriet mir schnell den Sinn dahinter: Wenn mir ein Buch gefällt, kann ich es mir einfach mitnehmen. Ganz ohne Kosten. Nach dem Lesen kann ich es dann (vielleicht sogar mit weiteren eigenen Büchern) wieder in einen anderen der zahlreichen öffentlichen Bücherschränke in ganz Deutschland legen.

Eine tolle Idee, wie ich finde. Denn wie viele Bücher stehen nach dem Lesen zuhause rum und werden höchstens einmal zum Abstauben in die Hand genommen?! Da ist es doch eigentlich naheliegend, sie anderen zugänglich zu machen! Und warum denn nicht auch mal kostenfrei?! Das hat ja nichts mit Almosen oder ähnlichem zu tun.

Vielmehr sind sie ein Zeichen für einen gewissen Wertewandel, der sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu verbreiten scheint.

Autos to go

Egal ob Carsharing oder Bookcrossing, ob Klamottenswapping oder Umsonstläden – das kostenlose Teilen, Verleihen oder Tauschen von diversen Konsumgütern findet immer mehr Anhänger.

In Köln sieht man inzwischen ständig an irgendwelchen Ecken Autos von diversen Carsharing-Anbietern. Dabei handelt es sich ganz allgemein um eine gemeinschaftliche Nutzung eines Autos. Neben einen geringen monatlichen Fixbetrag nach Registrierung zahlt man nur, wenn man das Fahrzeug auch tatsächlich nutzt, eine quasi minutengenaue Abrechnung.

Sinnvoll. Wo die Haltungskosten für ein Auto doch viele nicht oder zumindest kaum tragbar sind, gerade wenn es sich in Großstädten wie Köln, Hamburg oder Berlin kaum lohnt ein Auto zu besitzen, da man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oft besser angebunden ist und nicht das lästige Parkplatzproblem hat. (Mehr Infos beim Bundesverband Carsharing: www.carsharing.de)

Viele Carsharing-Anbieter sind inzwischen auch bei Facebook und in anderen Social Media Kanälen zu finden. Und generell bietet das Web 2.0 eine gute Organisationsmöglichkeit für die neue „Umsonst-oder-zumindest-günstig“-Kultur. Plattformen wie Kleiderkreisel.de boomen: Über 300.000 registrierte Nutzer verschenken, tauschen oder verkaufen für kleines Geld ihre Kleidungsstücke. Der Communitygedanke steht dabei stark im Vordergrund.

Kostenlos, aber nicht umsonst

Ähnlich wie die öffentlichen Bücherschränke funktionieren die Giveboxen. Anfang 2013 gab es in Deutschland 43 solcher öffentlich zugänglichen Boxen, in denen Gegenstände jeder Art kostenlos an andere weitergegeben werden können. Diese Projekte entstehen meist aus einer sozialen und nachhaltigkeits-orientierten Motivation heraus.

Beim Suchen nach einer Givebox in Köln bei Facebook bin ich auch auf einen Kölner Umsonstladen gestoßen.

Zum Prinzip des Umsonstladens heißt es auf der Homepage:

„Wer etwas übrig hat, gibt es ab. Wer etwas braucht, nimmt es sich. Die Sachen, die zu schade zum Wegwerfen sind, können bei uns abgegeben werden. Andere können die Sachen vielleicht gut zu Hause gebrauchen und nehmen sie dann einfach mit.“

Auch wenn Projekte wie der Umsonstladen meist Privatpersonen oder soziale Einrichtungen als Initiatoren haben, ist der Gedanke dahinter, das, was zählt. Und vielleicht ist es ein kleiner Wegweiser in die Richtung, wie es weitergehen kann. (Dies sind natürlich nur einige Ansätze und Beispiele und die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Aus der britischen Telefonzelle hab ich übrigens nichts mitgenommen. Aber die alte Vitrine, die mitten auf einem Gehweg in Köln stand, hatte einen guten Schmöker für mich dabei. Und beim nächsten Durchgucken meiner heimischen Büchersammlung, werde ich bestimmt auch mal einen Stapel „Bücherschrank“ machen. Vielleicht freut sich ja jemand darüber?!

Kennt ihr noch andere Beispiele für diese neue Konsumbewegung?


3 Gedanken zu “Konsum 2.0: Tauschen, leihen und verschenken

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