Pasta, Pannen und (Homo)Phobie

Foto: Spaghetti in einem GlasIch habe gestern Nudeln gegessen. So weit, so unspektakulär. Wären es aber welche der Marke Barilla gewesen, hätten sich wahrscheinlich einige darüber aufgeregt – und zwar zu Recht. Doch was war passiert?

Kürzlich hatte sich Konzernchef Guido Barilla gegenüber dem Sender Radio 24 folgendermaßen zu seiner Werbestrategie geäußert:

„Ich werde keine Werbung mit homosexuellen Paaren schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. […] Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen.“

Und DAS ließen sich viele nicht zwei Mal sagen! Kaum wurde diese Äußerung bekannt, ließen Protest und Boykottaufrufe nicht lange auf sich warten. Vor allem in den Social Media kursierten schnell zahlreiche Fotos von Barilla-Packungen im Müll oder in der Toilette.

Die Konkurrenz schläft nicht

Der weltweite Protest gegen Barilla blieb nicht ganz ohne Folgen: Schon am nächsten Morgen entschuldigte sich der Konzernchef mit einem offiziellen Statement auf der Facebook-Seite des Unternehmens. Hauptaussage: Guido Barilla tue es leid, wenn seine Aussagen zu Missverständnissen geführt und Gefühle anderer verletzt hätten. Noch einmal wies er darauf hin, dass es ihm lediglich um die Betonung der Rolle der Frau in der Familie ging.

Für die meisten Kunden ist das aber eher eine halbherzige Entschuldigung. Und während Guido Barilla an seiner traditionellen Familie ohne Blicke nach links oder rechts festhält, reiben sich die Konkurrenzfirmen die Hände und veröffentlichten nach und nach deutliche Statements, mit denen sie ihre Aufgeschlossenheit gegenüber Homosexuellen bekräftigten. Eine recht vielfältige Zusammenfassung aller, teils sehr gelungenen, Reaktionen gibt es in einer Bildergalerie auf queer.de.

Foto: Spaghetti

Boykottaufruf an Werbegesicht

Bei allen Protest- und Boykottaufrufen, die sich eher an die Allgemeinheit der Kunden richten, gab es auch einen kleinen Nebenschauplatz des Shitstorms: Einstiges Barilla-Werbegesicht und Tennislegende Steffi Graf wurde von teilweise enttäuschten Fans auf ihrer offiziellen Facebookseite dazu aufgerufen, sich offiziell von den Äußerungen ihres ehemaligen Werbepartners zu distanzieren. Die Kommentare reichen wie so oft in solchen Situationen von recht sachlichen bis hin zu deutlich unreflektierten und emotionsgesteuerten Bemerkungen.

Fakt ist: Auf der offiziellen Homepage von Steffi Graf ist Barilla nicht in der Rubrik „Partners“ aufgeführt. Wie lange das schon der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Aber alle dort aufgeführten Werbepartnerschaften bestehen schon seit Jahren und sind offenbar kontinuierlich fortgeführte Geschäftsbeziehungen. Da Steffi Graf aber seit Längerem keine Werbung mehr für den Nudelhersteller macht, ist es nicht gerechtfertigt, ihr automatisch die gleiche Meinung zur Homosexualität zu unterstellen, was einige Kommentare definitiv tun. Nichtsdestotrotz ist es allerdings nachvollziehbar, dass sich viele Fans eine Stellungnahme wünschen – allein schon aufgrund der Tatsache, dass sie gerade in Deutschland für viele DAS Werbegesicht für Barilla schlechthin ist. Man darf gespannt bleiben, ob sich Frau Graf noch dazu äußert.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Egal wie ernst und aufrichtig Guido Barillas Entschuldigung am Ende wirklich gemeint war (oder auch nicht), einem Konzernchef wie ihm sollte doch eigentlich bewusst sein, dass solche Aussagen in der heutigen Zeit einfach ein No-Go sind und automatisch (und berechtigt) zu solchen Reaktionen führen.

Oder müssen wir davon ausgehen, dass es Herrn Barilla scheinbar genauso egal ist, wie Mike Jeffries, dem CEO von Abercrombie & Fitch, als er sich eindeutig zu seiner Firmenphilosophie äußerte?

Welche ist eure Lieblingsreaktion der Konkurrenten? Und was haltet ihr von solch homophoben Aussagen in unserer heutigen Zeit?


3 Gedanken zu “Pasta, Pannen und (Homo)Phobie

  1. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Schweinen werfen… oder so ähnlich…! Oder konkret :wenn man, wie Herr Barilla, zuerst seine Frau betrog, sie dann nebst Kindern, wegen einer jüngeren setzten gelassen hat, sollte sich vielleicht nicht unbedingt auf die „Werte der klassischen Familie“ beziehen. Das ist ebenso unglaubwürdig wie heuchlerisch!

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