Obdachlose: Geben oder nicht geben?

„Haste mal nen Euro?“ In der vergangenen Woche wurde ich fast jeden Tag von Obdachlosen angesprochen und um „eine kleine Spende“ gebeten.

Unter anderem nachmittags am Bonner Hauptbahnhof – von dem sympathischen jungen Mann, der als Dankeschön für jede Spende meist sogar ein kleines Stück Schokolade verschenkt. Er ist immer sehr höflich und dankbar. Ich habe beobachtet, dass er öfter etwas zugesteckt bekommt als andere.

Der Pfandflaschentest

Öfter etwa als die Frau, die immer irgendwie betäubt (Alkohol? Drogen?) wirkt und über das Bahnhofsgelände wandelt. Meist pöbelt sie dabei zusammenhangslos vor sich hin. Auch sie hat mich schon mehrfach gefragt. Und sie hat wiederholt 25 Cent abgelehnt. Warum? Weil sie noch nicht in Münzenform vorlagen, sondern noch als Pfandflasche getarnt waren. Als ich ihr irgendwann mal sagte, dass sie das Geld scheinbar nicht so dringend bräuchte, da sie schon mehrfach abgelehnt hätte, wurde sie unfreundlich und zog schimpfend davon.

Als ich am Donnerstag besagtem jungen Mann eine Pfandflasche anbot, war dieser wie immer erfreut. Und als er dann feststellte, dass sich sogar noch ein paar Schlucke in der Flasche befanden, war er wirklich völlig aus dem Häuschen. Vor allem, weil ich ihm auf Nachfrage mehrfach versicherte, dass es völlig okay sei. Es gab dieses Mal keine Schokolade. Aber das war wirklich nicht schlimm.

Geld, Essen oder gar nichts

Wahrscheinlich kann nun aber nicht jeder nachvollziehen, warum ich ihm überhaupt etwas gegeben habe. „Woher willst du wissen, ob derjenige es wirklich braucht und dich nicht nur ausnutzt?“ oder „In Deutschland muss niemand zwangsweise auf der Straße leben.“ – Das sind alles sicher berechtigte Einwände. Und natürlich habe ich mir diese Fragen auch schon immer mal wieder gestellt.

Ich bin auch nicht so konsequent und gebe grundsätzlich jedem etwas, der mich fragt. Wovon ich es abhängig mache? Schwer zu sagen. Ich gehe da eher nach meinem Bauchgefühl. Oder ich mache den Pfandflaschentest, wie oben beschrieben.

Von vielen weiß ich auch, dass sie den Leuten wenn dann lieber etwas zu essen kaufen und beziehungsweise oder bevorzugt etwas Futter für eventuelle tierische Begleiter stiften.

Ich denke, dass es bei diesem Thema kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Jeder sollte sich so verhalten, wie er für sich selbst auch dazu stehen kann. Wenn ich einigen Menschen nichts gebe, dann möchte oder kann ich es in dem Moment nicht – egal aus welchen Gründen.

Pfand gehört daneben

Auf eine Sache möchte ich an dieser Stelle allerdings noch aufmerksam machen. Denn es gibt eine Initiative aus Hamburg, die sich meiner Meinung nach in ganz Deutschland durchsetzen sollte: Pfand gehört daneben.

Auf der Homepage der Initiative heißt es unter anderem dazu:

Der Unterschied zwischen arm und reich zeigt sich selten so deutlich wie beim Pfand: Für die einen sind 8, 15 oder 25 Cent so wenig, dass sie es sich leisten können, ihre Dosen und Pfandflaschen in den Müll zu werfen – für die anderen ist das Pfand so wertvoll, dass sie es dafür auf sich nehmen, im Müll zu wühlen. Und das ist nicht nur demütigend, sondern auch gefährlich.

Jeder von uns hat wahrscheinlich schon einmal einen Mitmenschen dabei beobachtet, wie der- oder diejenige mit dem Arm in einem öffentlichen Mülleimer versank und nach achtlos weggeworfenen Pfandflaschen gesucht hat. Demütigend, entwürdigend, oder?

Seid daneben!

Warum also nicht beim nächsten Mal, wenn man selbst eine Pfandflasche wegwerfen möchte, diese einfach NEBEN den Mülleimer stellen?! Tut nicht weh und erleichtert einem Pfandsammler sein Tagwerk. Und wer nun sagt: „Ich will die Obdachlosen aber auch so nicht unterstützen. Immerhin müssten sie nicht zwangsweise auf der Straße leben.“ Den kann ich zwar verstehen, gebe aber noch folgendes zu bedenken:

Gerade bei den Pfandsammlern ist mir schon mehrfach aufgefallen, dass viele offenbar nicht die „typischen Obdachlosen“ sind. Es sind auch oft Menschen, die zwar einen festen Wohnsitz (und vielleicht sogar einen Job) haben, aber trotzdem nicht genug Geld zum Leben haben. Da streift dann plötzlich die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern aus meiner Nachbarschaft früh morgens von Mülltonne zu Mülltonne, in der Hoffnung nicht gesehen zu werden, weil es ihr unangenehm ist. Auch diesen Menschen helfen wir also, wenn wir Pfandflaschen und –dosen in Zukunft daneben stellen.
Ich stelle Pfandflaschen jedenfalls schon seit Monaten NEBEN die Mülleimer.

Und was ist mit euch? Wie verhaltet ihr euch?


5 Gedanken zu “Obdachlose: Geben oder nicht geben?

  1. seit jahren schon lass ich einzelne Pfandflaschen unterwegs liegen – meist in der Nähe / neben einem Mülleimer.

    Am häufigsten natürlich Glasflaschen – aber je nachdem, was ich gerade habe und wie schwer es so ist.

    (Für mich letztlich ein Rechenspiel: Lohnt es sich, für 8 / 15 / 25 Cent die Flasche noch so und so weit zu tragen – wenn nein, dann kommt sie weg und wer anders kann sich drüber freuen)

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  2. Ich gestehe, dass ich meine Pfandflaschen nicht NEBEN den Müllcontainer stelle, sondern beim nächsten Einkaufen wieder abgebe. Auch wenn ich unterwegs bin, schleppe ich die leere Flasche solange mit mir rum, bis ich einen Pfandautomaten finde.

    Beim nächsten Mal, wenn mich jemand nach Geld fragt, werde ich aber an den Pfandflaschentrick denken. Erst gestern hat mich wieder am Bahnhof jemand gefragt, ob ich ihm 2 Euro geben könne – er hätte nicht genug für sein Zugticket. Ich hab ihm 1 Euro gegeben und schon ging er zum nächsten Passanten und fragte wieder nach 2 Euro. Da kam ich mir schon ein bisschen verarscht vor.

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    1. Also ich stelle auch nicht JEDE Pfandflasche neben den Müllcontainer, sondern nehme gerade die 25-Cent-Flaschen meist auch mit nach Hause und gebe sie dann später beim Einkaufen wieder ab. Es sei denn, ich werde nach Geld gefragt, dann gebe ich sie gerne mal ab.
      Ich habe aber festgestellt, dass ich bei den 15-Cent-Flaschen unterwegs eher dazu neige, sie nicht mit nach Hause zu nehmen, da ich die bei meinem Standardeinkauf nicht loswerde. Daher stelle ich diese Flaschen dann grundsätzlich NEBEN den Mülleimer.

      Kann ich gut verstehen, dass du dir da schon etwas veräppelt vorkamst! Wäre mir nicht anders gegangen.

      Wenn ich bei uns um die Ecke einkaufen gehe, sitzt da immer ein älterer Mann und bettelt. Einmal habe ich ihm drei oder vier 15-Cent-Flaschen angeboten, weil ich die nicht losgeworden bin. Da guckte er mich nur an und lehnte mit einer abschätzigen Handbewegung ab. Seitdem reagiere ich immer leicht allergisch, wenn ich sehe, dass er da wieder sitzt. Weil er immer auf besonders bedürftig „macht“… Und ich denke, dass man dann auch solche Pfandflaschen annehmen würde. Das lässt mich dann schon an seiner Situation zweifeln…

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