Striche und Kurven in der (Medien)Landschaft

Und wieder hat Deutschland ein neues Topmodel: Lovelyn Enebechi, süße 16 Jahre jung. Mit ihrer Wandelbarkeit, ihrem Hüftschwung und ihren Maßen (88-66-96) konnte sie sich gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen.

Louisa von Minckwitz, Chefin der erfolgreichen Agentur „Louisa Models“, gibt dem jungen Nachwuchsmodel zwei Ratschläge mit auf den Weg: Ins Ausland ziehen und noch ein paar Kilo abnehmen.

MOMENT! Das Mädchen mit den vermeintlichen Traummaßen soll noch weiter abspecken?! Wo denn? Am großen Zeh? Modelmama Klum und andere Kenner der Modelszene wissen ebenfalls „so schafft sie den internationalen Durchbruch nie!“. Größtes Manko ist laut Agenturchefin von Minckwitz Lovelyns sechs Zentimeter zu breite Hüfte. „Das ist – ganz ehrlich gesagt – zu viel für die Modebranche. Alles über 90 ist schon schwierig“, wird sie in diversen Medienberichten zitiert.

Und warum? Weil Joop, Lagerfeld und Co nur für Size Zero schneidern! Weil nur der spindeldürre Strich in der Landschaft scheinbar noch als schön gilt – zumindest in der Modebranche.

Schlank, schlanker, GNTM?

Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls. Selbst in der gerade beendeten Staffel von Germanys Next Top Model (GNTM) wurde eine Mitbewerberin als zu fett bezeichnet und als falsches Vorbild dargestellt, weil sie genüsslich in einen Schokoriegel biss. Für Heidi Klum ein absolutes No Go! Aber eigentlich doch ein ganz natürliches und menschliches Bedürfnis.

Es ist doch viel mehr so, dass das, was Klum und Konsorten da auf der Mattscheibe vorleben, den jungen Mädchen ein völlig falsches Bild vermittelt. So lernen sie schon viel zu früh, dass Kurven hässlich sind und entwickeln nicht selten ein krankhaftes Verhältnis zu sich, ihrem Körper und ihrer Ernährung.

Da es schon seit Jahren Vorwürfe dieser Art gegen Heidi Klum und GNTM gibt, präsentierte sie in den letzten Staffeln immer ein (im Vergleich zu den anderen Kandidatinnen) „Quotenmoppelchen“, das auch die ersten Castingrunden noch überlebte, aber früher oder später nicht mehr mithalten konnte mit den Bohnenstangen.

Es geht mir hier auch nicht darum, gegen dünne Menschen zu wettern! Ganz und gar nicht! Es gibt viele Menschen, bei denen es Veranlagung ist und die es einfach nicht ändern können. Das ist okay! Es geht mir viel mehr darum, welches Bild von Schönheit durch solche und andere Sendungen vermittelt wird. Dünn und vermeintlich schön um jeden Preis?

Werbung mit Frauen wie du und ich

Warum kann nicht kommuniziert werden, dass jeder Mensch schön ist?! Egal ob dick oder dünn, groß oder klein – jeder Mensch ist schön und einzigartig auf seine Weise!

Genau das hat die Körperpflegemarke Dove verstanden und wirbt seit 2004 mit genau dieser Botschaft für Duschgel, Bodylotion und Co. Aktuell ist Doves YouTube Video „Dove Real Beauty Sketches” in aller Munde. Es zeigt wie negativ Frauen sich selbst sehen – und das offenbar völlig zu Unrecht. Das Video wurde über 3 Millionen Mal geklickt und verbreitete sich rasend schnell über die sozialen Netzwerke.

Die Nutzer auf Facebook und Twitter scheinen sich sowieso derzeit am stärksten für den Wertewandel einzusetzen: Gefühlt fing es mit alten Bildern von Marylin Monroe an, die direkt zum Vergleich ein Magermodel zeigen und den Betrachter fragen: Was ist bloß passiert?

Kurven auf dem Social-Media-Vormarsch

Doch inzwischen ist das Thema viel viel größer geworden: Sämtliche sogenannten Plus-Size-Models dieser Welt haben zunehmend mehr Fans auf ihren Seiten. In der Regel sind es vor allem noch englischsprachige, meist amerikanische Seiten, die außerdem die kurvige Frau feiern. Und nein, damit ist nicht nur eine pralle Oberweite gemeint. (Wobei es diese Fanseiten natürlich auch gibt.) Die amerikanischen Seiten tragen Namen wie Curvy Girls Appreciation oder Curvy is where it’s at! Self Acceptance. Sie posten Bilder von kurvigen Frauen, motivierende Sprüche und hier und da auch ein paar Tipps für einen gesunden Lebensstil.

Die deutschen Facebookseiten sind da noch etwas zurückhaltender. Eine, die mir in letzter Zeit besonders positiv aufgefallen ist, ist die Seite Love your curves – Für Frauen mit Format. Ob auf Facebook oder Twitter – Bloggerin Tanja verrät Tipps und Tricks, motiviert und regt auch mal Diskussionen an. Zusätzlich werden auf der Homepage Make-Up und Styling-Events angeboten – mit dem Ziel, Mut zu machen und allen Frauen mit Format zu zeigen, dass es keinen Grund gibt, sich zu verstecken. Nach dem letzten Shooting Anfang Juni berichtete eine der Teilnehmerinnen mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass sie erst 50 werden musste, um sich endlich einmal schön zu fühlen.

Und mal ganz ehrlich: Das Recht auf dieses Gefühl sollte doch jeder Mensch haben. Natürlich lässt sich über Geschmäcker streiten. Aber es sollte doch zumindest so sein, dass nicht jeder kurvigen Frau automatisch ihre Schönheit und Attraktivität abgesprochen wird – bewertet anhand irgendwelcher Zahlen, seien es die Konfektionsgröße oder die 90-60-90-Modelmaße.

Darin sind sich auch die amerikanischen und deutschen Seiten einig und verbreiten verschiedene Fotocollagen und Grafiken mit immer derselben Aussage:

You cannot weigh beauty! So let NO number ever define YOU!

beauty

Wie stehst du zu dem ganzen Rummel um den Magerwahn?


3 Gedanken zu “Striche und Kurven in der (Medien)Landschaft

    1. Gerne! In unserer Gesellschaft und der Medienlandschaft muss wirklich noch einiges passieren! Aber Seiten wie deine können sicherleich einen Teil dazu beitragen. Und das Wichtigste ist: Es muss in unser aller Köpfen anfangen!! Denn ja, jede Frau hat das Recht, sich wohl zu fühlen!

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