…von Armut ganz zu schweigen

Foto: Geldbörse, in der 42 Cent liegenUnd wieder liegt eine schlaflose Nacht hinter ihr. Voller Sorgen, wie sie die Stromrechnung zahlen und den Kühlschrank bis zum Monatsende füllen soll. Ihr Albtraum-Szenario in dieser Nacht: Die Waschmaschine gibt den Geist auf.

Die durchwachte Nacht sieht man ihr am nächsten Morgen im Büro sofort an. Kollegen witzeln herum, ob sie zu lange feiern war. Dabei kann sie sich nicht einmal daran erinnern, wann sie überhaupt das letzte Mal ausgegangen ist – egal ob ins Kino oder Restaurant.

Auch wenn dieses Beispiel nur konstruiert ist, so geht es doch (leider) nicht an der Realität vorbei. Denn Armut ist schon längst nicht mehr nur ein Problem im Umfeld von Hartz IV.

Das beweist auch eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Dort heißt es unter anderem:

Wer als Familie weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdient, hat in 60 der 100 größten deutschen Städte nach Abzug der Miete im Durchschnitt weniger Geld zur Verfügung als eine Hartz-IV-Familie.

Und das bedeutet in vielen Fällen, dass es nicht mal eben möglich ist, die Kinder mit auf Klassenfahrt zu schicken oder ihnen die neuste Markenkleidung zu kaufen. Wenn man dann im Bus oder anderswo noch Sätze hört wie: „Ich würde Kleidung ja nie bei kik oder gar auf dem Flohmarkt kaufen, total asozial!“ – dann ist die Scham oft groß, weil man selbst gerade erst auf dem Flohmarkt stolz eine Winterjacke für ganz kleines Geld erstanden hat.

Armut nicht totschweigen!

In Gesprächen mit Kollegen oder Freunden steigen dann oft zusätzlich der innere Druck und die psychische Anspannung, wenn diese von Shoppingtouren oder den Urlaubsplänen berichten. Die eigene Situation überspielen die meisten dann und schweigen die eigene Armut einfach tot. Immer schön tapfer lächeln.

Generell ist es in unserer Gesellschaft leider so, dass Armut nach wie vor ein Tabuthema ist, über das die, die davon unmittelbar betroffen sind, kaum bis gar nicht offen reden. Angst vor Stigmatisierung und die pure Scham sind nur zwei der Gründe.

Doch vereinzelt wird das Tabu und damit das Schweigen darüber gebrochen. Einer der eindrucksvollsten Beiträge der letzten Zeit kommt für mich persönlich definitiv von alsmenschverkleidet, die schon allein in der Überschrift des Blogposts so vieles auf den Punkt bringt: Nudeln mit Ketchup.

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2 Gedanken zu “…von Armut ganz zu schweigen

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