Die alte Frau auf dem Balkon

Wir kennen uns nicht, doch schenken wir uns täglich ein Lächeln.

Jeden Morgen auf dem Weg zur S-Bahn sehe ich sie schon von Weitem: das graue Haar, die Brille. Sobald ich in ihrer Sicht- und Hörweite bin, lehnt sie sich etwas über die Brüstung ihres Balkons. Je nach Stimmung und Wochentag wünscht sie mir dann einen „Guten Morgen“ oder ein „Wunderschönes Wochenende“ – begleitet von diesem gütigen Lächeln.

Als sie mich das erste Mal grüßte, war ich müde und schlecht gelaunt, weil gegen 6 Uhr das Haus zu verlassen einfach nicht meine Zeit ist. Und dann lag da völlig unverhofft diese zarte Stimme in der Luft. Damals war ich sehr überrascht und fast schon irritiert.

Und das hat mich dann wirklich zum Nachdenken gebracht: Wie weit ist es denn schon gekommen, dass mich Freundlichkeit, schlichte und offenbar bedingungslose Freundlichkeit, so sehr überrascht, fast schon verwirrt?!

Wir sind es heutzutage viel mehr gewöhnt, dass wir auf der Straße angepöbelt werden, beim Einsteigen in Bus und Bahn gedrängelt wird auf Teufel komm raus und dass die Bedienung an der Kasse flapsig wird. Begegnen wird bedingungslos freundlichen Menschen, macht viele das stutzig, einige vermuten sogar Hintergedanken.

Haben wir etwa verlernt, nichts von Menschen zu erwarten und trotzdem freundlich oder sogar hilfsbereit zu sein?

Ich kenne ihren Namen nicht, weiß nichts über sie. Doch inzwischen freue ich mich auch schon früh morgens auf unsere Begegnungen. Denn eines steht fest: Wenn ich ihren Balkon passiert habe, lächelt sie. Und ich ebenso. She makes my day… 🙂

Freundlichkeit (ohne Hintergedanken) – Welche Erfahrungen hab ihr so gemacht?


2 Gedanken zu “Die alte Frau auf dem Balkon

  1. Als ich am frühen Morgen im Supermarkt gearbeitet habe, hatte ich eine ähnliche Begegnung auf dem Weg dorthin. Egal an welchem Tag, jeden Morgen habe ich einen alten Mann mit einem niedlichen Hund an der gleichen Stelle auf meinem Weg getroffen. An den ersten Tagen sind wir einfach an einander vorbei, irgendwann hat er mich dann angelächelt, irgendwann haben wir uns einen guten Morgen gewünscht 🙂 Da auch für mich ein Arbeitsbeginn um 6.30 Uhr eigentlich unerträglich ist, war diese Begegnung auch mein Highlight des Morgens, jeden Tag.

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    1. Das ist auch eine schöne Anekdote. Danke, dass du sie mit uns geteilt hast. 🙂 Jetzt könnte man sich noch fragen, ob Hunde einen Einfluss auf die Freundlichkeit haben. Denn auch ich habe jeden Morgen unsere Französische Bulldogge dabei, da ich sie mit ins Büro nehmen kann…

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